Ein sachliches Ergründen der Beeinflussung Heideggers durch das Gedankengut der Jenenser Romantiker hat bedauerlicherweise weder in der Heidegger- noch in der Romantikforschung stattgefunden. In diesem Beitrag werden drei gemeinsame Punkte herausgestellt, die als Grundlage für die Wahlverwandtschaften bzw. Parallelisierungsmöglichkeiten zwischen zwei Denkern, die sich von der traditionellen Substanz- und Subjektmetaphysik verabschieden möchten, dienen könnten. Es besteht meines Erachtens unbestreitbare Ähnlichkeit zwischen Heidegger und Schlegel hinsichtlich der Bestimmung der Philosophie als Selbstkritik, die sich als Vorbedingung für die Offenlegung eines neuen Anfangs in der Philosophie erweisen sollte. . Heidegger übernahm mit Begeisterung Schlegels Einstel-lung, dass das logisch räsonierende Denken allein, wegen seiner formalen, abstrakten Struktur die Fülle des Lebens in seiner Ursprünglichkeit nicht imstande ist zu erfassen. Dasselbe gilt mutatis mutandis für die sog. spekulative Reflexion der idealistischen Philosophie, die nur per negationem identifizierend verfährt und in ihrer Konstitution verneiend bleibt. Schlegel hat durch seine »hermeneutische Kritik« die wesentlichen Züge der modernen Verdachtshermeneutik, und somit auch Heideggers phänomenologisch-hermeneutische Destruktion, in wichtigsten Gesichtspunkten vorweggenommen. Die Destruktion der be- stehenden »Dingontologie« und der abstrakten »Wesensphilosophie« kennzeichnet Schlegel als Bedingung für die Ausarbeitung einer »uni- versalphilosophischen« Kunst des Verstehens. Er bemüht sich, mit Hilfe seiner »hermeneutischen Kritik« eine Distanz zu der abstrakten me- taphysischen Denkart zu gewinnen und zugleich den Boden für die Ausarbeitung einer Philosophie der Kunst bzw. Lebensphilosophie freizulegen |