Hegels These vom Ende der Kunst enthält in sich eine Keimzelle der modernen Kunsttheorie, die Hegel freilich nicht entwickelte. Diese Keimzelle ermöglicht es erst, dass Hegels Ästhetik wieder in die geschichtlichen Progression gestellt wird und sich damit des Ballasts der kurzatmigen Prognosen im 19. Jahrhundert über die Zukunft der Kunst zu entledigen. Diese wohlgesinnte Interpretation der Hegelschen These vom Ende der Kunst erlöst die Kunst immer noch nicht von ihrer archaischen „Erblast“ der Religiosität, Sittlichkeit und national-geschichtlichen Bestimmung. Diese Werte fasste Hegel in den Begriffen der Weltanschauung und Substantialität als jenen Dimensionen zusammen, die seiner Meinung nach die romantische, moderne Kunst nicht kennt. Es bleibt die offene Frage, ob die Kunst als eine andere und veränderte unter wesentlich veränderten Umständen der modernen Welt existieren kann und ob sie überhaupt eine metaphysische Kategorie sein muss. |